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Hessischen Landespreis 2023 „Flucht, Vertreibung, Eingliederung“

Aus der Laudatio der Landesbeauftragten:

Meine Damen und Herren,

wie Sie alle wissen, gibt es immer weniger persönliche Zeitzeugen von Flucht und Vertreibung der Deutschen aus den östlichen Heimatgebieten – also den früheren deutschen Ostgebieten und den Siedlungsgebieten von Deutschen in anderen Ländern. Umso stärker werden dadurch die nächsten Generationen der Heimatvertriebenen auf den Plan gerufen.

Meine Damen, meine Herren,

weil Sie in den Landsmannschaften und Vertriebenenverbänden so aktiv sind, ist und bleibt die Vertriebenenarbeit in Hessen so lebendig. Weil Sie so engagiert sind und dabei ganz unterschiedliche Projekte in die Tat umsetzen, konnten der Jury für den diesjährigen Landespreis wieder zahlreiche, in Frage kommende Vorschläge präsentiert werden. Dafür danke ich Ihnen herzlich.

In diesem Jahr hat die Jury aus sieben Bewerbungen zwei Vorschläge als von besonderer Qualität und Wirkung gewertet und für den Landespreis „Flucht, Vertreibung, Eingliederung“ ausgewählt.

Hauptpreisträgerin ist Frau Marta Kaffanke-Fuchs mit ihrem Buchprojekt „Schönwald und die Schönwälder“. Diese Arbeit wurde von allen Mitgliedern der Jury als besonders preiswürdig bewertet. Ursprünglich hatte Frau Kaffanke-Fuchs „nur“ eine Chronik über ihre Familie verfassen wollen. Da diese jedoch auf so große Nachfrage stieß, hat sie diese Familien-Chronik schließlich zu einer detaillierten Aufzeichnung über das Dorf Schönwald ausgeweitet.

Und so ist eine über 250 Seiten starke Chronik ihres in Oberschlesien gelegenen Geburtsortes Schönwald entstanden. Diese ausführliche und lesenswerte Darstellung ihres Heimatdorfes, zeigt die Alltagsgeschichte des Ortes, die Vertreibung aber auch das mühsame Ankommen der Heimatvertriebenen in Hessen.

Auf eindrückliche Weise brachte Frau Kaffanke-Fuchs damit zugleich einen wichtigen Teil hessischer Landesgeschichte zu Papier.

Die Publikation schildert zunächst die dramatische Situation gegen Ende des Zweiten Weltkrieges im Dorf und die sich anschließende Vertreibung. Danach wird die Ankunft in Hessen, das entbehrungsreiche Leben der Flüchtlinge und Vertriebenen und der mühsame Alltag in den ersten Jahren beschrieben.

Nachfolgend schildert Frau Kaffanke-Fuchs ihre Reisen in die alte Heimat ab 1975 bis heute. Es werden Kontakte zur gegenwärtigen Bevölkerung und Verständigungsbemühungen beschrieben, sowie die von ihr unterstützte junge Initiative „Schönwalds Erben“.

Schließlich folgt ein Diskurs durch Geschichte, Geographie und Alltagsleben des Dorfes seit seiner Gründung. Abgerundet wird das Werk durch einen ausführlichen Anhang mit weiteren Erläuterungen.

Meine Damen und Herren, liebe Frau Kaffanke-Fuchs,

bei der Arbeit von Frau Kaffanke-Fuchs handelt sich um eine beeindruckende und detailreiche persönlich-historische Darstellung mit sorgfältig zusammengestellten Informationen über den Mikrokosmos „Schönwald“ und seine Bewohner, ohne das „große Ganze“ aus dem Blick zu verlieren. Es ist eine hervorragende kulturelle Leistung, die sowohl einem Abschnitt oberschlesischer Geschichte ein Denkmal setzt, Flucht und Vertreibung in ihren Schrecken anhand konkreter Geschichten erzählt und ebenso das schwierige Ankommen der Vertriebenen nach 1945 bedenkt.

Besonders positiv hervorzuheben ist, dass das Werk von dem Wunsch nach Verständigung mit unseren Nachbarn durchdrungen ist: Ohne oberflächliche Gesten, sondern mit dem ehrlichen Anliegen zu verstehen und dafür kritisch miteinander ins Gespräch zu kommen.

Frau Kaffanke-Fuchs widmet ihre Schrift der Jugend. Meinem Empfinden nach ist es Marta Kaffanke-Fuchs in besonderer Weise gelungen, alles so lebhaft und anschaulich zu beschreiben, dass man oft das Gefühl hat, vor Ort und mit dabei zu sein. Durch diese eindrücklichen Beschreibungen ist ihre Schilderung sehr gut nachvollziehbar und auch gut lesbar geschrieben. Ihr Buch scheint daher scheint ein geeignetes, attraktives Instrument, junge Menschen dazu einzuladen, sich mit der Geschichte der Siedlungsgebiete der Deutschen im östlichen Europa näher zu beschäftigen.

Die Jury hat entschieden: Ihr Werk ist hervorragend für die Auszeichnung mit dem Hessischen Landespreis geeignet.
Als Hauptpreisträgerin erhält Frau Kaffanke-Fuchs von insgesamt 7.500 Euro ein Preisgeld von 6.000 Euro.
Meinen herzlichen Glückwunsch, sehr geehrte, liebe Frau Kaffanke- Fuchs!

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